Erinnerung

18. Januar 2025

Wort zum Sonntag

Pastorin Ursula Schmidt-Lensch; Foto: privat

am 25. Januar 2025

„Nur wer sich erinnert, kann die Zukunft meistern.“ Dieser Satz stammt aus der  Rede des Frankfurter Oberbürgermeisters Mike Josef beim Gedenken an den 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz am vergangenen Sonntag.

Am nächsten Montag ist das genaue Datum dieser Befreiung und der offizielle Gedenktag an den Holocaust, die Shoah.

„Nur wer sich erinnert, kann die Zukunft meistern.“ Wir leben in einer Zeit, in der dies angezweifelt wird. Es wird gesagt: Es muss doch mal ein Ende haben mit dem Erinnern, mit der Schuld. Deutschland muss wieder stolz sein und so weiter.

Dabei geht es ja beim Erinnern gar nicht hauptsächlich um Schuld. Es geht um Verantwortung.

Dieses Land ist aufgebaut auf dem Grundgesetz mit seiner Grundaussage: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – und zwar die Würde absolut jedes Menschen!

Und diese Grundlage ist gerade am Wackeln. Wenn Menschen in Bürger erster Klasse, zweiter Klasse und so weiter eingeteilt werden. Wenn Stimmung gemacht wird gegen Flüchtlinge und Bürgergeldempfänger.

Gerade da brauchen wir die Erinnerung, wohin es führt, wenn diese Grundaussage der Würde der Menschen nicht mehr gilt: Die Erinnerung daran, was unter den Nationalsozialisten mit Menschen geschah, die jüdisch, homosexuell, Sinti und Roma, Slawen, oder auch anderer Meinung waren: Sie wurden ausgegrenzt, verfolgt und getötet.

Diese Zeit darf nie wieder kommen! Und so müssen wir uns erinnern, um die Zukunft zu meistern: Damit alle Menschen frei sein können, völlig unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben, ihrem Geschlecht. Wir müssen uns erinnern, damit die Menschenwürde die wichtigste Grundlage unserer Gesellschaft bleibt. Als Christin glaube ich, dass jeder Mensch von Gott geschaffen und geliebt ist. Und dass deshalb jeder Mensch eine unverbrüchliche Würde hat, nach der ich ihn behandeln muss. Um so mehr: sei es aus politischen oder aus Glaubens-Gründen: Behandeln wir unsere Mitmenschen menschenwürdig und erinnern uns, um die Zukunft meistern zu können.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende.

Ulla Schmidt-Lensch,

Pastorin in der Gesamtkirchengemeinde Diepholz